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Willkommen bei der Bergrettung Puchberg

Nostalgieschiabfahrt vom Schneeberg

 

05. Mai 2012

 

Pünktlich zum Winterbeginn möchten wir ihnen einen Bericht von Martin Zöchling näherbringen. Neben seiner Tätigkeit bei der Bergrettung Puchberg unterstützt er auch die "Triestingtaler Nostalschibären".

 

Abschied vom Schnee 2012 am 05.05.2012

 

Bevor Bichler Franz alias "Pigo" seine Holzlatten in den Keller räumte, um sie für den Sommerschlaf vorzubereiten, hat er auch dieses Jahr wieder zu einem ganz speziellen und beliebten Event am Schneeberg eingeladen. Zum "Abschied vom Schnee". Hinter der Bezeichnung verbirgt sich das schon fast legendär gewordene Skirennen am Hochplateau des Schneebergs, in der sogenannten Hackermulde, wo der Schnee oft bis in den Sommer hinein liegen bleibt. Auch dieses Jahr war die Schneelage sehr gut, darum pilgerten auch unzählige motivierte Wintersportler mit ihren "Brettern, die die Welt bedeuten" mit der Zahnradbahn von Puchberg auf den höchsten Berg Niederösterreichs herauf, um hier dabei zu sein. Die Skier fürs Rennen bestens gewachst, die Kanten messerscharf geschliffen, sodass im Vorfeld schon diverse Spekulationen und Diskussionen über mögliche Siegerkandidaten für Spannung sorgten.

 

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Das Feld war breit gefächert: vom Hobby- bis zum Profi-Skifahrer in diversen Altersgruppen, in den Kategorien Männlein und Weiblein. Zu diesen illustren Startern gesellte sich wie immer eine Gruppe der Bergrettung Puchberg und so wie voriges Jahr, war auch dieses Jahr wieder eine Gruppe der "Triestingtaler Nostalschibären" mit dabei. Die Nostalgiker hatten sich dieses Jahr verstärkt und waren mit 5 Teilnehmern (Holzer Jörg, Krenold Gerhard, Klodner Manfred sen., Wieser Gernot und Zöchling Martin) ebenso hoch motiviert wie die anderen Läufer. Die kleinen Unterschiede bestanden nur darin, dass sie ihre Kanten mit dem Holzhobel schärften und die Lauffläche mit Kerzenwachs präparierten, um zwischen den Torstangen die Schnellsten zu sein. (Die Schibären fahren in der von Mathias Zdarsky entwickelten Lilienfelder Einstock-Skifahrtechnik mit freiem Absatz).

 

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Erster Halt beim Aufstieg war beim Damböckhaus, wo der Veranstalter Willi Zottl mit seiner Gisi für das leibliche Wohl der Gäste sorgten und auch die Startnummernausgabe erfolgte. Von hier konnte man schon den selektiv gesetzten Kurs sehen und sich die Schlüsselstellen einprägen. Doch bevor es hinauf zum Start ging, gab es noch einen kleinen Kurvengeist, und dann noch einen zweiten fas das zweite Bein und einen weiteren, um die Hüfte aufzulockern. Anschließend wurden die Holzlatten geschultert und zum Start aufgestiegen. Das Rennen war bereits in vollem Gange. Am Start wurde noch einmal die Bindung überprüft, die Lederschuhe fest geschnürt und der Hut tief ins Gesicht gezogen, um ihn nicht gleich beim ersten Tor zu verlieren. Dann ging es los. "START" - Die elektronische Zeitmessung wurde durch die Lederhose ausgelöst, dann ging es gleich zügig zu den ersten Toren und es bedurfte äußerster Konzentration, um in den Schlüsselpassagen nicht wertvolle Zeit liegen zu lassen. Bei den hinteren Startern hatten sich schon tiefe, sogenannte "Wandln", gebildet, welche die edlen Hölzer unter den geschnürten Lederschuhen genauso ächzen ließen wie die Kniescheiben, welche vorher innerlich mit Zirben-Flüssigkeit geschmiert wurden.

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Die mitgereisten Fans feuerten die Läufer an, die Stimmung war super und alle Läufer waren motiviert, das Letzte zu geben und um jede Hundertstel zu kämpfen. Es war ein Rennen der Superklasse und man sah bereits in Pigos Gesicht, dass er mit den gezeigten Leistungen und der Veranstaltung zufrieden war. Bei der anschließenden Siegerehrung im Damböckhaus wurden alle Teilnehmer geehrt und erhielten einen Pokal (von den Wirtsleuten gespendet!). Es war ein starkes Rennen - die Zeitabstände waren minimal und es wurde am Nachmittag noch mit dem einen oder anderen Gläschen angestoßen.

 

Es war eine gelungene Veranstaltung! Mit besten Dank an:

  • den Veranstalter: die Wirtsleute vom Damböckhaus
  • den durchführenden Verein: WSV Puchberg
  • den Fans, welche die Läufer zu Höchstleistungen angefeuert haben und
  • den Rennläufern selbst!

 

Ergebnisse:

Klasse Bergrettung:

Platz: Startnummer Name Geschlecht Klasse Zeit
1 38 Wurzinger Josef M Bergrettung 32,15
2 16 Fornix Josef M Bergrettung 41,82

 

Klasse Nostalgie

Platz: Startnummer Name Geschlecht Klasse Zeit
1 30 Krenold Gerhard M Nostalgie 39,16
2 31 Wieser Gernot M Nostalgie 46,84
3 32 Klodner Manfred sen. M Nostalgie 55,76
4 34 Zöchling Martin M Nostalgie 57,77
5 33 Holzer Jörg M Nostalgie 59,16

 

Bereits jetzt schon freuen sich alle auf das nächste Rennen am Hochschneeberg 2013

 

ABER ES IST NOCH NICHT VORBEI

 

Für die Gruppe der Triestingtaler Nostalschibären war der Tag noch nicht zu Ende. Sie wollten noch einmal auf das Gipfelplateau aufsteigen und auf Mathias Zdarsky's Spuren in nostalgischer Ausrüstung durch die Breite Ries abfahren. Die Bedingungen waren ideal und die "Alten Knaben" auf ihren hölzernen Brettern ware entschlossen, es ihrem Vorbild nachzumachen.

Man bedenke, Zdarsky hat dies schon vor mehr als 100 Jahren bewerkstelligt.

 

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Rückblick:

Mit Zdarskys Entwicklung begann in den Wintern von 1890 bis 1896 der eigentliche "Alpine Schilauf" (Lilienfelder Fahrtechnik), welcher in die Geschichte eingegangen ist.

Im Unterschied dazu war die nordische Skitechnik nur für flaches Terrain geeignet, die "Alpine Lilienfelder Ski-Fahrtechnik" bediente sich außerdem des altnorwegischen Einstocks (im Gegensatz zum neu-norwegischen Doppelstock), da er auf steilen Hängen und bei tiefer Schneelage zweckmäßiger war.

Die Frage nach der besseren Skitechnik stellte sihc und veranlasste Zdarsky, die Norweger zu einem Abfahrtslauf in schwierigem alpinen Gelände (mit Neigungen über 35 Grad) herauszufordern. 1905 war es dann soweit: Der Vergleich zeigte deutlich die Überlegenheit: den extremen Steilhang der "Breiten Ries" am Schneeberg konnten die Norweger nicht auf Skiern bewältigen und Zdarsky's Technik war bestätigt.

 

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Bei der Einfahrt angekommen wurden die Skier ganz oben angeschnallt, die Bindung nochmals überprüft, der Stock fest in die Hände genommen und nach dem ersten vorsichtigen Schwung folgten die nächsten schon mit einer Vertrautheit und Sicherheit, als ob sie schon öfters soche Abfahrten gemacht hätten. Jeder der die Breite Ries kennt weiß, dass der obere Teil der steilste und gefährlichste ist und keine Fehler oder Stürze erlaubt. Zügig ging es hinunter, die Hüte mussten aufgrund des Fahrtwindes immer wieder fest über die Köpfe gezogen werden, um sie nicht zu verlieren. Die Oberschenkel brannten, der eine oder andere sogenannte "Hakla" wurde mit dem Stock austariert, doch die Freude beim Nostalgie-Schilauf durch die Breite Ries ließ alle "Alte Knaben" strahlen.

 

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 Alle Bilder ©Martin Zöchling

 

Der auch im unteren Bereich gute Schnee ermöglichte ein Abfahren bis unterhalb des Grafensteigs (mit einer kurzen Unterbrechung im Bereich Roter Schütt Flanke). Anschließend wurde die hölzernen Bretter geschultert und bis ins Schneebergdörfl abgestiegen, wo sich die durstigen Kehlen ein großes Bier genehmigten un den gelungenen Tag mit dieser großartigen Abfahrt ausklinken ließen.

 

Prost und Ski Heil - die Triestingtaler Nostalschibären